Der stärkste Sonnensturm seit 20 Jahren – ein Spektakel, das ich am 19. Januar 2026 beinahe um ein Haar verpasst hätte.
Die letzten Nordlichter in der Schweiz konnte ich nicht miterleben. Entweder war ich krank oder anderweitig beschäftigt – jedes Mal gingen die beeindruckenden Schauspiele an mir vorbei.
Vor einiger Zeit habe ich mir das Viltrox 16mm f/1.8 angeschafft – speziell für Nordlichter und den Nachthimmel. So lange habe ich davon geträumt, die Nordlichter in der Schweiz mit dieser Linse festzuhalten. Selbst bei grosser Blendenöffnung liefert sie gestochen scharfe Bilder – ideal für weitwinklige Nachtaufnahmen.
Nun zurück zu diesem Abend.
Mit dem Mietauto fahre ich gerade auf den Pass hinauf, parke auf der eisigen Fläche – und erkenne bereits am Horizont die roten Lichter. Es ist kurz vor 22 Uhr, ich muss mich beeilen.
Bis zum Nachmittag war ich überzeugt gewesen, dass der Sonnenwind erst am frühen Morgen, kurz vor der Dämmerung, auf die Erde treffen würde. Gegen Abend jedoch verdichteten sich die Anzeichen, dass er mit hoher Geschwindigkeit deutlich früher eintreffen könnte. Doch ich war noch beim Sport – und ohne Auto, da es von der Familie genutzt wurde. Also organisierte ich kurzerhand ein Mobility-Auto und fuhr ohne konkreten Plan auf die Autobahn Richtung Thun. Ich muss mich nun entscheiden. Ab ins Emmental oder ins Berner Oberland? Kurze Zeit später lasse ich die Ausfahrt Muri hinter mir und habe die Entscheidung für das Oberland getroffen.
Nordlichter erscheinen bei uns meist tief am Nordhorizont, etwa auf 0° mittig, mit einem Bogen von rund 100–120°. Eine Analyse meiner bisherigen Bilder zeigte, dass die meisten Aufnahmen nach Süden oder Westen/Osten ausgerichtet sind – nur sehr selten nach Norden. Besonders in den Alpen machte es mir diese Erkenntnis schwer, einen erreichbaren Standort mit freier Nordausrichtung und passender Bergkulisse zu finden. Zudem braucht es genügend Höhe, sonst bleibt der Bogen verborgen – der Blickwinkel sollte möglichst horizontal sein.
Doch heute habe ich es endlich geschafft.
Ohne Schneeschuhe eile ich durch den tiefen Schnee und spüre, wie er sich von oben in meine Schuhe füllt. Ich baue meine zwei Kameras auf – eine für den Zeitraffer, die andere für Einzelaufnahmen.
Das rote Leuchten ist mit blossem Auge deutlich zu erkennen. Ab und zu blitzen kurze weiss-grüne Schleier auf – es ist schlicht überwältigend, so etwas erleben zu dürfen. Hier oben gibt es kaum Lichtverschmutzung, die Fotos werden fantastisch.
Endlich habe ich es geschafft.



