Ich steige in der Dunkelheit den Bergweg hinauf zu den drei Seen. Kurz zuvor habe ich bei sternenklarem Himmel auf dem Pass gewartet. Doch nun leuchtet meine Stirnlampe in den Nebel, und die Sicht wird immer schlechter. Soll ich umkehren?
Genau diese Momente stellen den ganzen Aufwand infrage. Beim Landschaftsfotografieren nimmt man in Kauf, zu ungewöhnlich frühen oder späten Zeiten unterwegs zu sein. Die spannendsten Stimmungen entstehen oft zwischen Wetterfronten – wenn das Wetter gerade noch gut ist, aber die ersten Wolken bereits als dramatisches Element hinzukommen. Genau hier liegt allerdings auch das Risiko: zwischen grossartigen Bildern und einer komplett erfolglosen Tour.
Ich weiss nicht, was mich heute hier oben erwartet. Die Seen liegen zwar spiegelglatt vor mir, doch die Sicht reicht kaum über die Hügelkuppe am anderen Ende des Sees. Das gesamte Zeitraffer-Equipment habe ich hier hochgeschleppt – und wofür? Erst einmal gibt es Frühstück. Die Blaue Stunde verstreicht, und keine Besserung ist in Sicht.
Doch dann, kurz bevor das erste Licht die Bergspitzen erreicht, lichtet sich der Nebel langsam. Nach und nach wird die Sicht auf die Bergkette frei. Das Zeitfenster könnte kaum besser sein: Den Zeitraffer habe ich erst vor Kurzem mit einer Dauer von 45 Minuten gestartet.
Reicht die Zeit, bis der Nebel vollständig verschwunden ist und das erste Licht durchkommt?
Es geht perfekt auf.
Doch mit dem Licht kommt auch der Wind auf. Mit der Zeit wird die Oberfläche der Seen unruhiger und die perfekte Spiegelung verschwindet.
Heute war das Timing perfekt.



